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Das Bayerische Fernsehen hat mich besucht und einen Fernsehbericht  über die Herstellung meiner Schreibgeräte  aus den Fundamentpfählen
der Alten Ochsenfurter Mainbrücke aufgenommen.

Der Fernsehbericht  wurde  am 1. Mai 2011 um 18:05  im Bayerischen Fernsehen gesendet.

BR – Video siehe  

http://www.br-online.de/bayerisches-fernsehen/frankenschau/fsthema-fuellfederhalter-sommerhausen-ID1303908947618.xml

OCHSENFURT


Aus alten Eichenpfählen werden Füllfederhalter

Mit Geschichte schreiben:

Ludwig Mündlein verwandelt Eichenpfähle aus dem Fundament der Alten Mainbrücke in Ochsenfurt in einzigartige Füller und Kugelschreiber.


  • Letzter Schliff: An der Polierscheibe verleiht Ludwig Mündlein seinen gedrechselten Schreibgeräten ihren matten Glanz.

    Fotos: Gerhard Meissner

Es ist ein Gefühl von Luxus, das die Schreibgeräte von Ludwig Mündlein ausstrahlen. Der Sommerhäuser Drechsler veredelt Kulis und Füllfederhalter mit kostbaren Werkstoffen.

Viele seltene Hölzer hat er dabei schon verarbeitet, aber noch keines, das so einzigartig und geschichtsträchtig ist wie die Eichenpfähle aus dem Fundament der Ochsenfurter Alten Mainbrücke. Statt dem Verfall preisgegeben zu sein, steht den über 300 Jahre alten Hölzern so eine neue Zukunft bevor.

Drechsler Ludwig MündleinSommerhausen
29.03.2011

Bei den Sanierungsarbeiten waren die Pfähle im vergangenen Jahr aus dem Untergrund geborgen worden. Jahrhundertelang wurden sie dort vom Grundwasser konserviert und haben fast die Farbe und Festigkeit von Mooreichen angenommen. An der Luft würden sie ohne Behandlung in kurzer Zeit zerfallen.

Weil sich die Stadt Ochsenfurt nur ein paar der Pfähle aufheben will, bekam Ludwig Mündlein mit Zustimmung der Denkmalpflege einen Teil davon. Als Gegenleistung erhält die Stadt Ochsenfurt Füllfederhalter aus der neuen Serie als Geschenk für besondere Anlässe. Erster Beschenkter war Verwaltungsleiter Eduard Gold, als er vor wenigen Tagen seine Altersteilzeit angetreten hat.

1992 hat Ludwig Mündlein mit dem Drechseln begonnen – zunächst als Autodidakt, später baute der Maschinenbautechniker durch viele Kurse bei renommierten Holzkünstlern im In- und Ausland sein Können aus. 1998 schließlich richtete er in der früheren Garage seines Wohnhauses in der Maingasse die „Galerie am Maintor“ ein.

Wenn Ludwig Mündlein über sein Hobby spricht, stapelt er gerne tief. Eigentlich seien die Schreibgeräte nichts Besonderes, sagt er. Die großen Objekte, das seien die wirklichen Herausforderungen für den Drechsler – zerklüftete Schalen und abstrakte geformten Gefäße, denen man manchmal kaum ansieht, dass sie aus einem sich gleichmäßig drehenden Klotz geschaffen wurden. Aber die sind teuer und zeitaufwendig in der Herstellung und wegen ihres hohen Preises kaum verkäuflich

Die Füller und Kugelschreiber sind einfacher herzustellen und verhältnismäßig günstig. Umso mehr Aufmerksamkeit widmet Ludwig Mündlein dafür der präzisen Fertigung und der Suche nach immer neuen Materialien.

Rund 100 verschiedene Hölzer hat er im Moment auf Lager, darunter Wüsten-Eisenholz aus der Sonora-Wüste im Süden der USA, eines der seltensten Hölzer überhaupt. Oder Urwelt-Mammutbaum, der als ausgestorben galt, bis im Jahr 1941 in China ein letztes Exemplar entdeckt wurde.

Bevor aus ihnen edle Schreibgeräte wird, müssen sie gut ablagern und schließlich eine Prozedur durchlaufen, die sich bis zu einem Vierteljahr hinzieht. Zuerst werden lange Klötzchen mit quadratischem Querschnitt aus den Hölzern geschnitten.

Unter Vakuum lagern sie dann in einem Bad aus speziellem, härtendem Holzöl. Der Luftentzug sorgt dafür, dass das schützende Öl bis in die letzte Pore eindringen kann.

Gut getrocknet erhalten die Klötzchen schließlich eine Bohrung, in die später die Mechanik eingepasst wird. Nach erneuter Lagerung spannt Ludwig Mündlein die Hölzer in eine Drechselbank, die er speziell für diesen Zweck umgebaut hat, und verleiht ihnen ihre endgültig Form. Verschiedene Trick, die der Drechsler ersonnen hat, sorgen dafür, dass die Holzmaserung hervorgehoben wird und sich das Schreibgerät später besonders angenehm anfühlt.

Auf der Suche nach immer neuen Materialien ist Ludwig Mündlein im Lauf der Jahre auf viele außergewöhnliche Werkstoffe gestoßen. Knochen zählen dazu, Rentiergeweih oder das pechschwarze Horn des Wasserbüffels.

Elfenbein hat er ebenfalls im Angebot. Es stammt von Wollmammuts, die bis vor 10 000 Jahren in großen Herden durchs östliche Sibirien zogen. Der zurückweichende Permafrost gibt heute die Stoßzähne der längst ausgestorbenen Tiere frei. Zu Kilopreisen um die 800 Euro kommt das cremefarbene Horn auf den Markt.

Auch mit der Haut von Klapperschlangen und dem Leder von Lachsen hat Ludwig Mündlein schon gearbeitet. Vor dem Drechseln wird das empfindliche Material in glasklares Kunstharz eingegossen. Durch seine Tätigkeit als Techniker bei der Firma Noell Mobile Systems in Würzburg war er auf die Idee gekommen, die zu zentimeterdicken Schichten verbackenen Ablagerungen in der Lackierstraße zu Schreibzeug zu verarbeiten. Deren buntes Design könnte der Flower-Power-Zeit entstammen.

Neuerdings führt die Galerie auch Tinten eines kleinen Herstellers, der sich auf individuelle Rezepturen spezialisiert hat. Manche duften nach Blumen, es gibt auch eine spezielle für die Schreibgeräte aus dem Holz der Alten Mainbrücke.

Die Menge, die ihm die Stadt Ochsenfurt überlassen hat, reicht noch für etliche Stücke. In der edelsten und teuersten Form haben die Füller eine Feder aus massivem Gold. Aber auch dem Benutzer der günstigeren Variante ist das Gefühl gewiss, ein Stück der Alten Brücke und somit ein Stück Geschichte in Händen zu halten.

Text und Fotos Gerhard Meissner
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3. April 2011 - Posted by | Füller, Schreibgeräte, Uncategorized

1 Kommentar »

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    Kommentar von Allison | 14. Mai 2013 | Antwort


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